Schon lange versprochen und nun endlich verwirklicht....meine
einfache Art, einen Puppenkopf für Stoffpuppen nach Waldorfart
herzustellen.
Zunächst benötigt Ihr folgendes Material:
- Bastelwatte (waschbar, meist auch hypoallergen)
- reißfesten Faden (nehmt kein zu dünnes Garn, denn man kann sich damit ganz fies in die Finger schneiden beim Abbinden)
- Nadel und Nähgarn
- Schlauchverband
- Puppenjersey
- große Häkelnadel (4er oder 5er hat sich bei mir bewährt, nicht auf dem Foto)
- Stickgarn für das Gesichtchen (nicht auf dem Foto)
- Stecknadeln
- ggf. Nähmaschine
Dieses Puppenköpfchen hat die richtige Größe für eine Erstlingspuppe (ca. 18 cm Umfang)!
Nun
wird als Erstes der Schlauchverband (seid nicht zu geizig mit dem
stück, das Ihr nehmt, schneidet lieber am Ende ein Stück ab, bevor Ihr
Euch ärgert, dass es zu kurz war - ich habe hier ca. 0,5 Meter genommen -
für dieses Puppenköpfchen in Größe 2) am oberen Ende gut
zusammengenäht:
Dann wird der Schlauchverband gewendet, sodass der genähte Knubbel innen liegt:
Schoppt nun den Schlauchverband wie eine Strumpf zusammen, damit das Befüllen mit der Watte einfacher ist:
Nun wird der Schlauchverband mit Watte gefüllt:
Und zwar so, dass eine feste längliche Wurst entsteht, die gut den Schlauchverband in der Weite ausfüllt:
Am
unteren Ende wird der Schlauchverband eng an der Wattewurst verdreht
und gut vernäht. Ich lege dazu eine Schlinge aus dem festen Garn, wickle
den Faden 2 bis 3x um den Schlauchverband und vernähe das Garn gut:
Jetzt
wird aus einem längeren Stück des reißfesten Garns eine Doppelschlinge
gelegt (ich nehme etwa 0,5 m Garn). Die Schlinge besteht aus zwei
kleinen "Schreibschrift-e", als würde man sie in einem Zug schreiben:
Nehmt das linke "e" vorsichtig auf und legt es über das rechte "e":
Diese
Schlinge wird jetzt an die Stelle der Watte-Schlauchverband-Wurst
gelegt, an der der Halsansatz entstehen soll, und fest zugezogen (durch
die besondere Art der Schlinge kann man das Garn sehr fest anziehen,
ohne dass es sich von selbst wieder löst) und sorgfältig verknotet:
Als
nächstes markiert Ihr die Oberkopfmitte (recht einfach, denn dort sitzt
ja der "Knubbel" vom ersten Vernähen des Schlauchverbandes) mit zwei
Stecknadeln, ebenso die Stellen, an denen der "Unterkiefer" endet:
Es
wird jetzt wieder eine "Doppel-e-Schlinge" aus einem längeren Stück
(wieder etwa 0,5 m) des reißfesten Garns gelegt und hinter die
"Kiefernadeln" und zwischen die beiden Nadeln am Oberkopf gelegt und
straff angezogen;
Die
Nadeln verbleiben noch im Köpfchen, damit der Faden nicht verrutschen
kann, wenn als nächstes mit einer weiteren "E-Schlinge" der Bereich
abgebunden wird, an dem sich später die augen befinden werden:
Damit
kein Faden verrutschen kann, werden zunächst die Kreuzungsstellen der
beiden Abbindefäden an den "Ohren" gut miteinander vernäht. Dabei auch
gerne mit durch den Stoff des Schlauchverbandes stechen:
Jetzt
wird mit groben Polsterstichen rund um den Kopf der von oben nach unten
verlaufende Abbindefaden mit dem Stoff des Schlauchverbandes vernäht.
So kann später nichts verrutschen!
Auch der Abbindefaden, der sich VORNE am Kopf befindet und den Augenbereich abteilt, kann etwas festgenäht werden.
Hier
kommt die Häkelnadel ins Spiel. Man sticht von unten unter den hinteren
Abbindefaden (der, der nicht vernäht wurde) - hier aufpassen, dass man
nicht durch den Schlauchverband sticht!) und zieht den Abbindefaden
langsam und vorsichtig nach unten in den "Nacken":
Der
Puppenjersey wird rechts auf rechts in den Bruch gelegt (also
aufeinandergefaltet), der Puppenkopf wird sozusagen als Schablone auf
den Jersey gelegt - mit der Stirn und der "Nase" etwas über die
Bruchkante hinausragend (hier sollte man schon darauf achten, dass der
Jersey sorgfältig gerade gefaltet ist, damit man am ende nicht zu viel
hin- und herruckeln muss, um einen geraden Fadenlauf am Gesicht zu
erzeugen):
Mit ein wenig Spiel um den Kopf herum zeichnen, unten reichlich Spielraum einplanen:
Der
Jersey wird dann auf der eingezeichneten Linie zusammengenäht, unten
läßt man ein gutes Stück offen (ich habe es für Euch mit rotem Garn
genäht, damit man es gut sehen kann) und dann wird knappkantig
ausgeschnitten:
Danach wird der Stoff auf rechts gewendet und über das Köpfchen gezogen:
An
dieser Stelle könnt Ihr auf Euer neu erlentes Wissen zurückgreifen *gg*
, denn hier wird wieder ein "Doppel-e" benötigt, um den Stoff an der
Halsstelle fest abzubinden (bitte darauf achten, dass keine großartige -
am besten ist gar keine, aber das ist auch ein wenig Übungssache -
Faltenbildung entsteht unterm Kinn):
Oben
auf dem Köpfchen steht ja nun ein kleines bißchen Stoff ab. Dieses
zieht man straff nach oben und legt es dann nach hinten. Mit einer
Stecknadel fixieren:
Ebenso
wird unten an der offenen Stoffkante verfahren (es ist an dieser Stelle
auch nicht so wichtig, dass der Stoff perfekt wunderschön vorzeigbar
ist, denn am Ende wird diese Stelle wohl niemals mehr von jemandem
gesehen...also dann, wenn die Püppi fertig ist!):
Ich vernähe diese Stofffaltungen mit einem normalen Nähgarn und mit kleinen Polsterstichen:
Um
den Hals sieht man ja jetzt gegebenenfalls noch den Abbindefaden. Das
eine Ende von diesem wird dazu genutzt, auch hier mit kleineren
Polsterstichen den Stoff über dem Abbindefaden zu vernähen:
Mit
drei Stecknadeln werden die Stellen markiert, an denen Mund und Augen
aufgestickt werden (mir geht es tatsächlich leichter von der Hand, wenn
ich für die Augen zwei blaue oder grüne Nadeln nehme und für das
Mündchen eine rote):
Diese
Stellen zeichne ich mit wasserlöslichem oder von selbst verschwindendem
Zauberstift (hier mal Werbung in eigener Sache: Ihr kriegt diese Stifte
bei mir im
Shop ) ein, denn die Nadeln würden mich beim Aufsticken stören:
Für
ein hübsches Gesichtchen hat sich für mich Sticktwist bewährt, denn
dieser ist - wenn von einer guten Firma (z.B. Anchor, DMC) - von guter
Farbqualität und läuft auch nicht aus, wenn er feucht wird. Außerdem
kann man ihn entsprechen der Bedürfnisse teilen. Ich habe bei diesem
Puppenköpfchen einen Faden aus dem Strang gezogen und doppelt gelegt
(also 2fädig gearbeitet). Der Faden wird am Hinterkopf vernäht - dort
sieht das später niemand, denn es kommt ja entweder eine Mütze drüber
oder Haare:
Ich
arbeite mit kleinen Längsstichen (dazu zähle ich sogar die
"Stoffrippen" ab, damit ein gleichmäßiges Stickbild entsteht und die
Püppi nicht irgendwie verwachsen ausschaut ;) (auf diesem Bild kann man
das nur erahnen, denn das Köpfchen wollte einfach nicht 100%ig gerade
auf das Foto...):
Die Rückseite, auf der die Fäden nach dem Aufsticken auch gut vernäht werden:
Tja, und schon ist das Puppenköpfchen soweit fertig!
In
den nächsten Tagen werde ich mich bemühen, euch Methoden zu zeigen, wie
man Haare oder Mützchen für den Kopf arbeiten kann und wie der Körper
entsteht!
Durch die Nutzung anderer
Schlauchverbandgrößen kann man auch kleinere oder größere Puppenköpfe
herstellen. Für Puppen, die am Ende knapp Neugeborenengröße haben, nehme
ich Schlauchverband in Größe 5.
Ich wünsche Euch gaaanz viel Spaß beim Herstellen eigener kleine
Püppis und würde mich sehr freuen, wenn Ihr unten als Kommentar Links zu
Euren "Kinderchen" einstellt! Auch über andere nette Kommentare würde
ich mich freuen!
Wenn Ihr Puppenköpfchen nach meiner Anleitung herstellt und im WWW
zeigt, schreibt doch bitte dazu, woher Ihr die Anleitung habt! Danke!